BRÜCKENSCHLAG
Erst als der Stuttgarter Caritasdirektor Dr. Straubinger sein Buch "Die Schwaben in Sathmar" 1927 veröffentlichte, erfuhren die Binnendeutschen von unserer Existenz.
Scheune in Petrifeld
Scheune in Petrifeld, erbaut im Jahre 1874
Wir erschienen nun häufiger im Schrifttum und in wissenschaftlichen Abhandlungen und schon 1929 bekamen wir den ersten Besuch aus dem Schwabenland: die "Sathmarfahrer", Studenten aus Württemberg, die nicht nur von Dorf zu Dorf wandernd mit schwäbischen Kindern und Erwachsenen musizierten, sondern sich auch für unsere Geschichte und Kultur interessierten, uns neuen Mut gaben und manches festhielten, was dem Untergang geweiht war: unsere schwäbischen Volkslieder, unsere Mundart, unsere Sitten und Bräuche -.
In dieser Zeit sammelte unser Freund und Gönner Prof. Dr. Dr. Hugo Moser das Material für seine späteren und unsere Kulturgeschichte überaus wertvollen Veröffentlichungen; und ebenfalls in diese Zeit fällt die erste Veröffentlichung unseres geschätzten Landsmannes Prof. Dr. Stefan Wohnhaas, ohne dessen gut fundiertes und dokumentarisch wertvollen Buches "Die deutsche Ansiedlung im Komitat Sathmar" wir über unsere Herkunft und Geschichte nur wenig wüssten.

Später Veröffentlichungen über die Sathmarschwaben, hauptsächlich in deutscher aber auch in ungarischer und rumänischer Sprache erschienen, trugen wesentlich zu Bekanntmachung unserer wechselvollen Geschichte und unseres reichen Volksgutes bei. Sie schlugen dadurch Brücken zu jenen Völkern des Sathmarlandes, mit denen wir Jahrzehnte hindurch friedlich zusammen lebten, deren Kultur und Sprache wir kannten, deren Geschichte auch unsere mitprägte, ja auch unsere Geschichte war - teilten wir doch Freude, Not und Leid.
Heute setzen wir Sathmarschwaben über unsere Landsmannschaft, die eng mit den im Sathmarland lebenden Landsleuten zusammenarbeitet, den Brückenschlag von West nach Ost, von Ost nach West fort, um am Aufbau eines zukünftigen Europa der Bürger mitwirken zu können, um Achtung und Toleranz zu üben, aber gegebenenfalls auch anzufordern.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass das Zusammenleben der Sathmarschwaben mit Rumänen, Ungarn und Juden stets durch gutes Einvernehmen, gegenseitiges Achten, Verständnis und Hilfsbereitschaft gekennzeichnet war und ist. Zwar brachten es die Sathmarschwaben durch ihr Wissen und ihren Fleiß zu einem beträchtlichen Wohlstand und sie mussten um die Bewahrung ihren Identität viel Leid erdulden, doch verachteten sie dabei die mit-wohnenden Völker nicht, sondern wirkten mit ihnen so im wirtschaftlichen, kulturellen wie auch im politischen und privaten Leben zusammen - selbst wenn sie ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen mussten um das Leben ihrer Mitbürger zu retten.

Im Herbst' 44 versteckten und retteten Sathmarschwaben jüdische Mitbürger vor der Ver-schleppung in die Konzentrationslager, im Januar '45 versteckten sich, um der Verschleppung nach Rußland zu entkommen, Sathmarschwaben vor allem bei ihren rumänischen, ungari-schen aber auch jüdischen Mitbürgern.
Wir alle handelten nach dem Rat unserer Väter: "Mensch sein, Mensch bleiben unter allen Umständen, das Gute suchen, jedem seine Freiheit und sein Recht zu gewähren!"
In diesem Sinne wollen wir Sathmarschwaben auch in Zukunft wirken und die " Wahrung unserer Identität für immer mit der Idee der Freiheit, Demokratie und der Menschenrechte Verbinden!"

Prof. Hans Lini