Gemeinsam die Zukunft gestalten
Die Sathmarer Schwaben, denen mehr als ein Jahrhundert hindurch Menschenrechte vorenthalten worden sind, hatten stets ein bitteres Los zu tragen.
Die Sathmarer Schwaben, denen mehr als ein Jahrhundert hindurch Menschenrechte vorenthalten worden sind, hatten stets ein bitteres Los zu tragen.
Ab 1825 ganz der rücksichtslosen Madjarisierungspolitik Ungams aus geliefert, ging vor allem durch den Einfluss der Kirche und Schule ein Großteil dieser ehemaligen Ober-schwaben seiner Muttersprache verlustig. Auswanderungen nach Amerika ab 1912, der 2. Weltkrieg, die Flucht und Evakuierung im Herbst 1944 und die gnadenlose Verschleppung zur Zwangsarbeit nach Russland 1945, völlige entschädigungslose Enteignung, legalisierte Unterdrückung und Diskriminierung ab 1945 haben tiefe Spuren hinterlassen. Familien und historisch gewachsene Dorfgemeinschaften wurden auseinandergerissen. Ungerechtigkeit und unsagbares Leid prägt das Leben der Sathmarschwaben auch in den ersten Nachkriegsjahren.
Mit dem festen Willen zu überleben, trotz aller Schikanen als deutsche Minderheit zu bestehen und sich zu behaupten, gingen sie mit ihrem sprichwörtlichen Fleiß, Mut und Gottvertrauen daran, ihr Gemeinwesen wieder aufzubauen.
Festakt beim kulturellen Begegnungstreffen der Sathmarar Schwaben am 12. Juli 1992 in Sathmar, Rumänien
Die Voraussetzungen waren jedoch mehr als ungünstig. Der erfahrene Bauer wurden zunächst durch hohe Steuern und Abgaben unter Druck gesetzt, musste dann bald unter Leitung unwissender "Instruktoren" auf seinem ersatzlos enteigneten Boden als erniedrigter und entrechteter Landarbeiter sein tägliches Brot verdienen.
Jugendliche und Handwerker suchten ihre Zukunftschancen in der Industrie und wanderten massenweise in die Städte ab, wo sie ums tägliche Auskommen kämpfen mussten. Die Intellektuellen, "geknebelt" und bedrückt von einer erstickenden Aussichtslosigkeit, wurden orientierungslos; auch ihre Hauptbe-schäftigung bestand darin, ihr eigenes Überleben sowie jenes ihrer Familien zu sichern.
Die Sathmardeutschen bemühten sich aus dieser prekären Lage das Beste zu machen. Zur Identitätsbewahrung beantragten sie - meißt vergeblich - deutsche Gottesdienste und Schulen, und pflegten ihre Sitten und Bräuche trotz Verbot. Allein, die Grenzen waren zu eng gesteckt und die Unterdrückung, Diskriminierung sowie die Entnationalisierungstendenzen, nun auch durch das kommunistische System Rumäniens unterstützt, wurde fortgesetzt. Spätestens bei der Umsetzung der brutalen Nivelierungspolitik ("Homogenisierungspolitik") des Ceausescu-Regimes, mussten sie erfahren, dass sie ohne Schutz und ohne rechtliche Absicherung der unberechenbaren kommunistischen Tagespolitik ausgeliefert sind, dass die Chancen ihre Sprache, Kultur und Identität zu bewahren merklich schrumpften.
Die täglich; erlebte Willkür der kommunistischen Machthaber, die auffallende Diskrepanz zwischen großartig verkündeten Realisierungen und dem erlebten Dasein, Manipulationen, Bespitzelungen und Nepotismus führten dazu, dass sich auch die Sathmardeutschen die Frage nach ihrer und der Zukunft der nachwachsenden Generation stellten.
Der Gedanke auszuwandern, beschäftigte sie immer mehr. Obzwar die Trennung von der Familie, und der zur Fremde gewordenen Heimat schwer fiel, entschlossen sich immer mehr Sathmardeutsche, vor allem die jüngeren Generationen, in die Bundesrepublik Deutschland überzusiedeln. Manche entschieden sich für den riskanten Fluchtweg, andere erkauften oder erbettelten sich die Freiheit Erniedrigungen und Demütigungen in Kauf nehmend -.
Dass die Sathmarschwaben und Deutschen aus Nordsiebenbürgen in der Bundesrepublik Deutschland Aufnahme fanden und noch finden, ist auch das Verdienst jenes Verbandes der 1947 von Flüchtlingen aus dem Sathmarland, bedingt durch die damalige Notlage, gegründet wurde: der Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben in der BR Deutschland.
Probleme wie Staatsbürgerschaft, Lastenausgleich, Altersversorgung, Familienzusammen-führung und Aufbauhilfe erforderten eine Interessenvertretung, die so Ansprechpartner für Regierung und Verwaltung war, als auch Aufklärungsarbeit leistete, Interessen bündelte und vertrat.
Unsere Landsmannschaft war und ist stets darum bemüht, so die Aussiedler zu unterstützen wie auch die Belange der im Sathmarland lebenden Landsleute hier in der BR Deutschland zu artikulieren. Dabei arbeitet sie eng mit den zuständigen Gremien des Bundes und der Länder sowie den an deren Landsmannschaften zusammen.
Vor allem in den letzten Jahren setzte sich die Landsmannschaft für die Anerkennung der Sathmarschwaben als Aussiedler ein, für deren Betreuung zwecks sozialer und kultureller Integration sowie auch für die Lösung humanitärer Härtefälle. Unsere Landsmannschaft schlug Brücken zu den Landsleuten, die im Sathmarland verbleiben wollen oder aus ver-schiedensten Gründen bleiben müssen, sie organisierte karitative Hilfe für die bedürftigen Landsleute im Sathmarland und schickte ihnen durch das Hilfswerk Tausende von Lebensmittelpaketen. Sie bemühte sich auch erfolgreich um die Versorgung unserer Lands-leute mit Medikamenten und der Krankenhäuser des Sathmarlandes mit medizinischen Geräten.
Mit der großzügigen Hilfe der Bundesregierung und in Zusammenarbeit mit den Demokra-tischen Foren der Deutschen des Sathmarlandes und Nordsiebenbürgens konnten kulturelle Begegnungsstätten für Deutsche ausgestattet und Deutschkurse initiiert werden. Nach der Reprivatisierung der Landwirtschaft gegründete landwirtschaftliche Verbände sowie Hand-werks- und Dienstleistungsbetriebe wurden mit Maschinen und Geräten unterstützt.
Durch Beratungen betreff Neustrukturierung der Landwirtschaft und des mittelständischen Bereiches konnten sich unsere Landsleute auch inhaltlicher Hilfe erfreuen. Vor allem auf kulturellem Gebiet, in der Pflege, Bewahrung und Präsentierung Sathmarer Kulturgutes, von Sitten und Bräuchen, unter starker Aktivierung der Jugendlichen so im Sathmarland wie auch in der Bundesrepublik Deutschland wurde in den letzten Jahren Beachtliches geleistet.
Bemühungen der Landsmannschaft gingen und gehen dahin, das vielfältige und reiche Kulturgut der Sathmarer Schwaben und der Deutschen au Nordsiebenbürgen als Teil der gesamten deutschen Kultur in die Gesellschaft zu integrieren und zu vermitteln.
Möglich war das bisher Geleistete nu durch den selbstlosen ehrenamtlichen Einsatz der gewählten HOG- und Kreisvorstände, der stillen Helfer, de Spender und all jener ehrenamtliche Mitarbeiter unserer Landsmannschaft, die sich in den Dienst für die Gemein-schaft stellten. Ihnen gebühr unser aufrichtiger Dank!
"Verantwortung füreinander, Verbundenheit miteinander" war unser diesjähriges Motto beim Bundestreffen.
In diesem Sinne gilt es, wie bisher: die politischen Belange der Sathmarschwaben zu artikulieren, die Neuankömmlinge bei ihrer Integration zu unterstützen, unsere erfolgreiche kulturelle Arbeit hier in Deutschland und auch grenzüberschreitend fortzusetzen sowie unseren Landsleuten im Sathmarland nach Möglichkeit und Notwendigkeit zu helfen.
Dass die Gemeinschaft der Sathmarer Schwaben auch über Grenzen hinweg so eng zusam-mensteht wie nie bisher, beweisen unsere ab 1990 durchgeführten großen kulturellen Begegnungstreffen im Sathmarland, in Biberach und Ulm, bei denen wir uns vornahmen, unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten.
In diesem Sinne wollen wir Sathmarschwaben unsere Verpflichtungen im Interesse unserer Gemeinschaft auch in Zukunft wahrnehmen!

Helmut Berner