Hinaus aus dem Dorf
Flucht
Augenzeugen berichteten:
"Am 19. Oktober 1944, etwa um 9 Uhr, kamen die Russen ins Dorf.
Den Tag über war ein großes Durcheinander. Abends brannte schon die Scheune bei Bleth's. Die Nacht verging in großer Angst. Am anderen Morgen kamen etwa um die gleiche Zeit die deutschen Soldaten wieder zurück. Es gab eine große Schießerei. Da brannten in unserer Gasse auch schon die Scheunen.
Ich lief mit den Kindern in den Keller des Konsumgeschäf-tes, der schon mit Menschen voll war. Wir fingen an zu beten und weinten dabei. Ich blieb auf der Treppe stehen, um schneller herauslaufen zu können, wenn der Keller zusammenstürzen sollte. Die Kinder klammerten sich an meinen Rock und weinten bitterlich. Ein Mann ließ daheim das Vieh heraus, trug die Kleider zum Brunnen und zog Wasser in das Fass daneben. Als die Kugeln schon sehr dicht kamen, lief auch er weg und ging ins Haus. Da rannten ihm zwei Russen nach und verlangten Tabak, mit dem sie dann den Garten (Hostatt) hinunterliefen. Nach einer Minute waren schon die Deutschen im Hof und schossen ins Haus.
Da schrie ein Mann von drinnen: "Hier ist niemand nur des Hausherr", worauf er auch davonlief. Wir aber verkrochen uns wieder in den Keller, bis es ruhiger wurde und die Schießerei aufhörte. Dann schrieen sie, wir sollen herauskommen. Wie ich herauskam, sah ich das Schreckliche, dass die Soldaten einander niederstachen. Daraufhin lief ich mit den Kindern nach Hause.
Der Mann war daheim sehr verängstigt und der Hof war voll mit deutschen Soldaten. Sie waren sehr wild, zogen das Schwein aus dem Stall und erschossen es samt den Gänsen. In der Küche war Feuer und sie kochten. Wir holten unser Zugvieh, luden den Wagen auf, den Kasten mit Kleidern und die Kinder und fuhren hastig davon. Es regnete, überall schrie man herum: Hinaus aus dem Dorf!
Auf den Gassen lagen die Toten, und überall brannte es fürchterlich. Die Leute eilten aus dem Dorf hinaus und weinten. Nun, es ist nicht gut, daran zurückzudenken."

Pfr. Stefan Brendli

E Huimet liar alle

Vu alle Seite send Soldate kumme,
im Krieg send nu wenig vertrunne.

Aisre Baiser hond alle 'brennt,
ais hot me us dr Buimet vusprengt,
mitg'nomme hond mr nu aiser Leabe,
furt, i de weit Wealt, uf leere Wäge.

Spät hond mir in acht g'nomme,
daß mr allui und huimetlos wuoare.
A diea schwer Zeit, denk i no heit,
wo mir g'litte hond Not und Leid.
Drum will i ui sage, lieabe Leit,
'wahret dr Friede tiar alle Zeit,
daß es e Buimet tiar alle gait.

                                                        B. Berner