Sprichwoerter der Sathmarer Schwaben

Die Sprache der Sathmarer Schwaben ist reich an bäuerlicher Spruchweisheit. Die Sparsamkeit, die beigetragen hat, den Bauern zu ihrem wirtschaftlichen Erfolg zu verhelfen, spiegelt sich in den Sprichwörtern wieder:(...)
Wie soll nun gespart werden?
Ma mos am Deckele spare, it am Bode. -Wear drKreuzeritehrt, istdr Gulde it weart. -Liabr heut e Kreuzerle, wia moan ka sei en Gulde.
Der Bauer soll genügsam sein:
Liabr Nudle im Friede, wia s Fluaisch i Uruah. -Liabr e reichs Bäuerle als en arme Bauer. -Besser zigeinrisch gfahre wia herrisch glofe.

Beim Sorgen und Hausen fällt der Bäuerin ein großer Anteil zu: Dr Baur ka mit vier ochse it so viel reifüahre, wia d Bäuri i dr SchoB naustrage ka.
Die Sparsamkeit soll jedoch nicht zum Geiz führen:
Im en Arme fehlt viel, im Neidege alles.
Vor Schulden hütet sich der rechte Bauer: Liabr z Abed kui Brot, als am Moarge schulde.
Schulde freasset alle Tag mit us dr Schüssel.
Wer sich behaupten will, muss auch etwas wagen:
Dr Wenn und dr Wätt hat nia nix ghätt. -Ma mos rupfe wo Feadre send.
Ungerechte Mittel werden jedoch verabscheut:
En ungreachte Kreuzer frißt taused andere. -Dear ist uf dr Pfennig, wia dr Teifel uf en e arme Seel. Scheinerfolge machen keinen Eindruck: E blinde Sau kann au emal e Uaichele finde. -E Henn, wo viel gazget, leit wenig Uaier. -De alt Kuah vergiBt leicht, daß se au emal e Kalb gsei ischt.
Der Nachbar ist der erste und der beste Freund:
E bravs Weib, en friedleche Nachbaur und s tägli Brot send di drei beschte Sache uf dr Wealt.
Das Zusammenleben mit den Nachbarn bringt aber manchmal Schwierigkeiten. Beim Streit gilt der Grundsatz:
Wear nahgeit, ist en Maa, wear furtmacht, ist en Narr. Kuiner suacht dr ander hintre'm ofe, außer ear ist selber scho dahinter gsei. Häre sage, lüagt gean. Nix ist so fein gspunne, alles kummt a d Sunne. Dr Loser adr Wand, häret sei uaigene Schand. -Z Nacht hant alle Bosche Ohre. Jeder tanzet wia-n'r ka.
Auf Lobesworte gibt der Bauer nicht viel:
Wear mi lobt, will jeappes vu mr oder hat'r scho jeappes.
Wie stellt sich der Bauer zum Essen?
Wenn du lang leabe witt, iß wia d Katz und trink wia dr Hund. -E Rüahle ist über-n e Brüahle.
-Mäßigkeit ist eine schöne bäuerliche Tugend, denn:
Dr Ochs ist nia so dumm, wie sei Baur , wenn'r en Rausch hat.
Will ein junger Bauer heiraten, so muss er prüfen und erwägen, nur auf die Liebe allein darf es nicht ankommen:
Wa nutzt mi e schöne Schüssel, wenn nix dinne ist. - Nah'm Küsse und Schleacke kummet
d Prügel und Steacke. Wear us Liabe heiratet, hat schöne Nächt, doch schwere Täg. Die Liebe bleibt aber doch die Hauptbedingung, denn:
s Geald gaht naus und dr Narr bleibt im Haus. -s ist kuin Weag it zweit, wenn d Liabe treibt.
Mann soll aber nichts übereilen:
Jedes Loch findt sei Bleatz; jedes Häfele sei Deckele.
Langer Brautstand tut nicht gut:
Dr Name Braut ist schä, bloß deaf r it z'lang daure.
Der Bauer ist für geklärte Verhältnisse:
Mit ern e nahe Acker und mit're weite Schwiegermuatter kummet ma am beschte aus.
Vom wiederholten Heiraten kann man nicht viel halten:
S erescht ist e Eh, s zwuait ist e Weh, und s dritt ist gar nix meh.
-Im en arme Ma sei Tschickele (Fohlen) ist glei e Roß, im ereiche Baur sei Töchter glei e Braut.

Stefan Koch
"Micheli und Martestag ischt da,
dr Kneacht, dear will sei Lôh
dr Bauer, dear hat kui Geald.
Dees ischt s gröscht Elend auf dr Wealt."

                                                                        Aus "Micheli-Spruch"
Scheindorfer Bäuerin
Scheindorfer Bäuerin "beim Hnafbreache"
D' Latweargel)1)
Scho vielerloi Obstmues hon i g'easse2) i meim Leabe,
Vum Schwarze Meer bis üb'r dr Ozean num gege Cleveland.
Ma geit's3) jo zum Frühstück üb 'ra11 daneabe,
Daß dr Mage guetschaffet, und dr Kopf und au d'Hand.
Doch ischt dea Mannelad do und det4) gar v'rschiede,
Au hoißt sie mol Leckwar, mol Powidl oder Gsälz;
S'ischt oft bei ihr's Süeß oder's Sauer übertriebe.
Wie's aber bei dr Latwearge ischt, do sag i: mir gfällt's!
Du frogescht was dees 5) sei? I will's dir glei sage:
Mei Schwester geit6) mr küerzle i Sackmar7) e Pack;
Es sei was do dinne8) , gar guet für dr Mage!
Do war i gar wunderfitzig9) , was dees wohl sei mag. ..
Und wo mr im Weschte send glückli wieder g 'landet,
Dees Pack i glei aufmach und en KrueglO) dinne find. ..
Ein Duft kumm t a d'Nase, dear mei Seel wia v'rwandlet:
Als wär i wieder z'Hamroth, ganz so wie als Kind.

                                                                        Pfr .Stefan Brendli
1) Zwetschgenmarmelade;
2) habe ich gegessen;
3) Man gibt es;
4) dort;
5) fragst was dieses;
6) gibt;
7) in der Stadt Sathmar;
8) da drinnen;
9) neugierig;
10) einen Krug;