Vogelfreie Schwaben
Verschleppung
In der Vorweihnachtszeit des Jahres 1944 wurden in den einzelnen Ortschaften - unter verschiedener Begründung, zum Beispiel "Klärung der Staatsbürgerschaft" - alle Schwaben erfasst. Keiner wollte auf diesen Listen fehlen.
Am 4. Jänner 1945 wurden dann in allen Gemeinden aufgrund dieser Namenslisten alle männlichen Bürger im Alter zwischen 18 und 30 Jahren - wieder unter einem Vorwand - zu einer Versammlung in die Schule bestellt.
Hier teilte man ihnen mit, dass sie sich von den Familienangehörigen Kleidung und Essen bringen lassen sollten, denn sie würden zur Arbeit nach Russland gebracht. Es half keine Flucht, denn man drohte mit Sippenhaft und Anzünden der Scheunen. Man machte auch keinen Unterschied zwischen aktiven Deutschen und madjarisierten Schwaben, entscheidend war die deutsche Herkunft, und die war den Schreibern der Liste, die Angestellte ihrer Gemeinden waren, gut bekannt, auch wenn der deutsche Name abgelegt worden war. In Großkarol und in Sathmar wurden die Opfer in ungeheizte Viehwaggons gepfercht und unter strenger Bewachung nach Russland verschleppt.

Historiker streiten noch immer über die Frage, wer die Deportierung der arbeitsfähigen Deutschen angeordnet hat. Folgende Feststellung erscheint glaubwürdig: Die Russen verlang-ten von Rumänien 100.000 Arbeitskräfte für den " Wiederaufbau", sie forderten aber nicht ausdrücklich die Deutschen an. Die rumänische Regierung aber war bestrebt, das eigene Volk zu schonen und lieferte deshalb "fremde Elemente" aus (...).

Ein Jahr lang hörte man nichts über die Zwangsverschleppten. Dann er fuhr man von den entlassenen Schwerkranken, dass die meisten im Donezbecken bei Bergwerksarbeiten einge-setzt waren. Sie wurden erst nach fünf Jahren in die Heimat entlassen.
Nach der Verschleppung nistete sich eine unsagbare Angst bei den Schwaben ein. Alles, was darauf hinwies, dass man Deutscher sei, wurde versteckt, Bücher verbrannt. Die schwäbische Muttersprache wurde auf der Straße und im öffentlichen Leben nicht mehr benutzt. Alte und Kinder aus der Familie der Deportierten übernahmen die Arbeiten. Die meisten Bauernhöfe hatten noch einen gewissen Viehbestand und ihre Felder. Das Vieh musste betreut, der Acker bearbeitet werden. In den Häusern der geflüchteten Schwaben von Petrifeld wurden gleich Madjaren aus dem Szekler-Land angesiedelt, in Scheindorf und Hamroth Rumänen, sogenannte "Motzen" aus dem westlichen Siebenbürgern.

 Dr. Ernst Hauler