Wier dieane drei Sprocha it ka
Die Mundart der Sathmarer Schwaben nebst einigen ihrer Besonderheiten
Aus der Siedlungsgeschichte der Sathmarer Schwaben ist ersichtlich, dass diese vorwiegend im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts, vor allem aus dem württembergischen Oberschwaben kamen - aus Ortschaften, die sic um den Städten Biberach, Ravensburg, Waldsee, Leutkirch, Saulgau, Laupheim, Riedlingen, Tettnang, Echingen, Wangen, Ulm und Mergentheim befinden.
Die Sathrnarer Schwaben sind demnach keine "Nennschwaben" sondern sowohl der Herkunft als auch der Sprache nach echte Schwaben.
Mit der Erforschung der sathmarschwäbischen Mundart beschäftigten sich Univ.-Prof. Dr. Hugo Moser, Hermann Fischer und der aus Petrifeld stammende Budapester Univ.- Prof. Dr. Stefan Wonhas. Nach diesen Forschern gehört die Mundart der Sathmarer Schwaben zum Schwäbisch-Alemannischen, weil die mhd. Diphthonge ie und uo geblieben sind, mhd. st als scht (Nuschterle, Wurscht, Schtuoark) sp als schp (schpeet, schpotta) vorkommt. Außerdem wird auch -en zum schwachtonigen e=a (kommen - kumma, gegangen - ganga). Dass es eine nordalemannische Mundart ist, zeigt das Beibehalten des k im Wortanlaut. Die Diphthongie-rung des mhd. i und u wieder beweist, dass die sathmarschwäbische Mundart zum schwäbischen Zweig des Nordalemannischen gehört, und zwar zum südlichen, d.h. Ober-schwäbischen, da die mhd. e und o sowie i, u vor einem Nasallaut unverändert bleiben.

Laienspieler aus Terem
Laienspieler aus Terem bei der Aufführung des Lustspiels "Der Braitling"
Vergleichen wir nun die Mundart der Sathmarer Schwaben mit den Mundarten, die in den Ortschaften gesprochen werden, aus denen diese Siedler gekommen sind, so können wir fest- stellen, dass sie im allgemeinen so klingt, wie jene der Bauern aus den Ortschaften um Ravensburg und Biberach. Genau wie im Oberschwabenmacht man in Sathmar die greschti Spätzla, trinkt e Gläsli Wei, isst Gruiba und en Zieger. Ebenso gibt es in Sathmar einen Götte, eine Gotte, Nähne, Nahne, und man freut sich, wenn d Braut g'stohle wett oder die Fasnetnarre in der Fastnachtzeit durchs Dorf ziehen. Man kennt, wie in Oberschwaben das Fieansterle und geht auch jetzt noch gi Rohstube, gi Braute oder, wie es in Unterhamroth heißt, uf d Weibet. Die typisch schwäbische Verkleinerungsform -li ist in der Mundart der Sathmarer häufig. Auch gibt es im Sathmarschwäbischen die Entrundung von ö zu e (hören -heere, schön -schee, böse -bees). Die alten Zwielaute ua und ia in den Wörtern Bub -Bua, gut -guat, Blut- Bluat, schauen-luage, sehen -siah, Bruder -Bria- der, sieden -siade kommen ebenfalls vor. Die echt schwäbische Mundart der Sathmarer Schwaben ist ferner an dem heute noch lebendigen Spruch zu erkennen.
Ga(u), sta(u) und bleibela(u),
Und wiear dieane drei Sprocha it ka,
Dr sieal dieaff it is Schwobaland ga( u ) .
Ein Merkmal des Schwäbischen ist die Aussprache des oi oder ui für ein altes ei. Zum Beispiel: eine -uine, keine -kuine, ich weiß -i woiss, allein -luigez oder auch allui. Auch die Pluralbildung der Tätigkeitswörter im Sathmarschwäbischen weist charakteristische Merkmale des echt Schwäbischen auf. So gibt es bei allen Zeitwörtern in der Mehrzahl den Einheitsplural ed ( auch et. ). Zum Beispiel: wir rennen -mier renned, wir reden -mier schwet- zed, wir singen -mier singed u.a.
Die größte Ähnlichkeit mit der sathmarschwäbischen Mundart zeigen die Mundarten im mittleren Teil des Auswanderungsgebietes, besonders jene aus der Ortschaft Schussenried. Be merkenswert ist dabei, dass die Mundart der Ortschaft Otterswang ( südöstlich von Schussenried) dem Sathmarschwäbischen noch näher steht, obwohl diese Gemeinde als Auswanderungsort nicht bekannt ist. Kennzeichnend ist weiterhin, dass der Dativ durch das Einsetzen eines i kenntlich gemacht wird, zum Beispiel: Mr. hond's i ihre gia (Wir haben es ihr gegeben) oder: Se gait i de Saue Beer (Sie gibt den Schweinen Maisbeeren). Der Artikel lautet im Nominativ so wie im Akkusativ. Diese Eigentümlichkeit ist aber teilweise auch im Oberschwäbischen zu finden.
Allerdings weist die sathmarschwäbische Mundart auch Eigenarten auf, die sie vom Oberschwäbischen unterscheiden. So bekommen manche Wörter, die mit e beginnen, ein j vor gesetzt. Zum Beispiel: essen -jeassa, etwas -jeames oder jeapes. In anderen Wörtern wird vor das e ein schwaches i eingeschoben: Feld -Fieald, Weg -Wieag, Nest -Niearst, Leder -Lieader, her- hiear, selber -siealber. Dabei wird das i kurz gesprochen.
Andere Eigenarten, die die sathmarschwäbische Mundart von jenen der Herkunftsorte unterscheiden, sind folgende: Die mhd. e, ö, ie, üe, r werden vor einem Nasallaut zu iea.: beten -bieate, Örtchen -Ieartle, nehmen -nieame, Pfründner -Pfrieandnr; vor dem mhd. o, r, steht uoa. (vor- vuoar, Tor -Tuoar, Zorn -Zuoarn). Aus dem mhd. ei wird oftmals uoi (Teil - Tuoil, Seil- Suoil, zwei -zwuoi).
An diese Eigenarten der sathmarschwäbischen Mundart schließen sich auch solche an, die in gar keiner schwäbischen Mundart anzutreffen sind. Diese Besonderheiten stammen wahr-scheinlich aus den Mundarten der fränkischen, bayrischen, Badener und Schweizer Siedler, da sich bekanntlich auch Ansiedler aus diesen Gegenden in Sathmar niedergelassen haben. Zu beachten ist dabei auch der Einfluss der österreichischen Mundart, die von den Beamten gesprochen wurde, und der Einfluss der ungarischen Sprache. So erinnert etwa die Aus-sprache einiger Wörter wie Kchiear (Keller), kchet oder kchann (kann), kchumme (kommen), wobei das schwache Mitklingen eines ch nach dem k bemerkbar ist, an den Schweizer Dialekt. Die Aussprache von au wie a in Wörtern wie ga' statt gau (gehen a' statt au (auch) - siehe obigen Spruch - erinnert uns an das Fränkische.
Der Einfluss der madjarischen Sprache auf die sathmarschwäbische Mundart um Karol und der rumänischen Sprache vor allem in Erdeed, Sukunden, Unterhamroth und Bullescht, beschränkt sich vorwiegend auf einige wenige Lehnwörter der Amts-, Handels- und der technischen Sprache sowie auf das Namengut. Ansonsten blieb die Mundart der Sathmarer Schwaben im Vergleich zum Oberschwäbichen, welches vor allem unter dem Einfluss der Schule vom Hochdeutschen verdrängt wurde, fast unberührt. Die aus dem Ungarischen übernommenen Wörter wurden und werden auch heutzutage den Ausspracheregeln der schwäbischen Mundart angepasst. So z.B. Garille (kerülö),Kontsche (kancs6) u.a.
Selbstverständlich gibt es in der Aussprache einiger Wörter von Ortschaft zu Ortschaft auch Unterschiede. Während man in der Karoler Gegend vom Heweli, Stieackli, Sunntig und Weili spricht, wird in Schandern und Sukunden anstelle von i ein langes dumpfes e gesprochen. Die Schanderner sagen Aage (Augen), Buase (Busen), Graa (Krähe), Schnupftiachle (Taschentuch) und die Sukunder Auge, Hemedposse, Grej und Halstiachle. Die Endungen -ans, -ens kommen überall als -aus und als -ais vor, in Erdeed aber als -ons und -ens.
In der Karoler Gegend sind die Hilfszeitwörter bin und haben als bi und ho verbreitet, während sie in Erdeed und den Dörfern, die unter dem Ausläufer des Buchengebirges liegen, bin und hon lauten. In dieser Gegend erscheint die Verkleinerungsform, im Gegensatz zur Karoler Gegend, nicht als -li, sondern als -le.
Es gibt in einigen Ortschaften auch Ausdrücke, die in anderen nur wenig oder gar nicht bekannt sind. So machen die Bildegger, Sagaser, Schanderner und Erdeeder g' Spass und die Unterharnrother und Scheindorier g'Spuchte. Sukunder trinken mit dem Hewele und die Sagaser sowie die Unterhamrother mit dem Halbele. Burleschter schreiben mit dem Reißblei und die Schanderner mit dem Schreibstieackle. Während man in der Karoler Gegend das Wort Wuates bereits vergessen hat, ist es in Schandern auch heute noch ziemlich häufig zu hören.
All diese Eigenarten machen die schlichte sathmarschwäbiche Mundart zu einer klangvollen Sprache, von der die Vettern aus Sathmar sagen: Aiser Muattersproch ischt e schene Sproch.

Helmut Berner